Die ersten gut fünf Kilometer fahren wir auf Feldwegen und zwischen Olivenhainen – sehr schön, aber anstrengend: Lachen, teilweise steil und vor allem von großen Steinen übersät. Ein kleines Stück schieben wir schließlich, auch weil wir Angst um unsere Reifen haben.

Auf der CM4115 und der N420 geht es dafür dann bei relativ wenig Verkehr flott dahin. Brazatortas, den einzigen Ort auf den ersten 58 km dieser Etappe, umfahren wir. Zwischen zwei Anstiegen liegt das weite Valle de Alcudia, das sehr schön zu durchfahren ist: eine gerade, leicht hügelige Straße, links und rechts ausgedehnte Weideflächen mit Rinder- und Schafherden. Am Ende wartet der dritte und längste Anstieg hinauf auf den Puerto Niefla, der sich etwas zieht, denn inzwischen ist es warm geworden.

Direkt auf der Passhöhe verlassen wir die Straße und biegen ab auf eine „Via Verde”, die für Wanderer und Mountainbiker empfohlen wird. Der Weg ist nicht besonders steil, da er offenbar einer ehemaligen Bahnstrecke folgt, auf der man das Blei-, Silber- und Zinkerz, das in diesem Gebiet abgebaut wurde, transportierte. Er ist allerdings von großen, oft scharfkantigen Steinen übersät, sodass man auch bergab nur sehr langsam fahren kann. Allerdings dauert es nur ein paar Kilometer, bis Alois am Vorderrad einen ersten Patschen hat. Es ist aber trotzdem ein sehr schöner Streckenabschnitt. Wir passieren noch einen Tunnel, bei dem das automatische Licht erlischt, bevor wir wieder draußen sind (unser Fahrradmechaniker in Almodóvar hatte uns schon gewarnt).

Kurz danach sind wir in Minas de Horcajo angelangt, bzw. dem, was davon noch übrig ist. Zur Blütezeit, Anfang des 20. Jahrhunderts, hatte dieser Bergbauort 4.500 Einwohner, jetzt gibt es nur noch ein paar ständige Bewohner – wir sehen niemanden – und einige Ferienhäuser. Die Kirche steht noch prominent da und natürlich Ruinen von Häusern, aber es ist kaum mehr vorstellbar, dass hier so viele Menschen gelebt haben.

Wir finden bei einem Picknickplatz Schatten und verzehren unseren mitgebrachten Proviant. Nach der Mittagsrast geht es rund eineinhalb Stunden weiter, oft bergab, über rumpelige, mit Steinen übersäte Wege, durch Schlamm und große Pfützen, wo wir mehrmals absteigen und schieben müssen, bevor wir, nach knapp 60 Kilometern, Conquista, den ersten Ort seit unserem Aufbruch in Almodóvar, erreichen.

Dort halten wir bei einem Lokal, um uns auf der Terrasse eine kühle Erfrischung zu gönnen. Eine Gruppe spanischer Männer, etwa in unserem Alter, ist gerade am Aufbruch. Sie sind mit E-Bikes unterwegs und übertrumpfen sich mit den Angaben über die Leistung ihrer Räder: 650 W, 750 W, und einer behauptet, dass seines 1.000 W Leistung habe. Ist wohl auch besser so, denn sie wirken schon recht aufgeräumt, was bei den Wein- und Brandygläsern, die von ihrem Mittagessen noch am Tisch stehen, auch nicht verwundert.

Die knapp 15 km, die uns an diesem Tag noch bleiben, sind landschaftlich wieder wunderschön. Auf der wenig frequentierten CO6103 geht es meist zwischen „Dehesas”, beweideten Eichenhainen, in einem ständigen Auf (mehr) und Ab dahin bis zu unserem Tagesziel, dem 1* Hostal „Los Encinares” am Ortsrand von Villanueva de Córdoba. Obwohl ich mich bei der Buchung im Tag geirrt und man uns schon am Vortag erwartet hat, ist der Empfang freundlich. Und die Zimmer im 1* Hostal um 35 Euro sind geräumige und frisch renovierte Doppelzimmer mit Einzelbelegung.

Villanueva ist eine nette, unspektakuläre Kleinstadt. Zum Abendessen gibt es Jamón als „leichte” Vorspeise und „Chuletas de Cordero”, Lammkoteletts, als Hauptgericht. Vor dem Schlafengehen kehrten wir noch in einer Bar neben unserem Quartier ein. Für einen Brandy und einen Gin – beide auf spanische Art, also sehr gut eingeschenkt – verlangte man 3,90 Euro. Das ist auf dieser Reise allerdings ein richtiger Ausreißer nach unten.