Die Anreise am Vortag: Mit dem Zug nach Wien und von dort Flug nach Madrid, wo es, wie prognostiziert, regnet. Mit der Metro zur Plaza de España und von dort direkt zum Radverleih „Bravo-Bike”. Kaspar, der Inhaber, ein Schweizer, der seit Jahrzehnten in Madrid lebt, erwartet uns schon. Die Räder, einfache Trekkingbikes (Merida Crossway 40), stehen bereit. Nach einer kurzen Testfahrt in der Gasse vor dem Geschäft nehmen wir einige geplante Adaptionen vor: Montage unserer Kombipedale und eines zweiten Flaschenhalters, Anpassen der Satteltaschen.
Nach dem Einchecken im nahegelegenen „Motel One” machen wir im Nieselregen noch einen Spaziergang über die Gran Via. Zum Abendessen gehen wir in das Restaurant „La Charca” (c/Juan Alvarez Mendizabal), einer Empfehlung von Kaspar folgend. Sehr spanisch (auch das Publikum), sehr gut, sehr fleischlastig (Blutwurst, Steaks, Kroketten).
Unsere weitgehend leeren Koffer lassen wir bis zu unserer Rückkehr im Hotel und spazieren, schon in der Radkluft, mit unseren Satteltaschen zum Radverleih. Großteils auf Radwegen kommen wir, vorbei am Königspalast, gut durch die und aus der Stadt. Ohne Navi wäre es aber wohl nicht so einfach.
Am Stadtrand passieren wir einige große Wohnsiedlungen, „Urbanizaciónes”, bei denen mir der Ausdruck Satellitenstadt einfällt.
Der Himmel ist stark bewölkt, aber es regnet vorläufig nicht, abgesehen von ein paar Tropfen. Allerdings ist es windig und durchaus frisch: um 13:30 Uhr zeigt das Thermometer gerade einmal 15 °C.
Für die Mittagspause halten wir bei einem einfachen, gut besuchten Restaurant am Straßenrand, etwas außerhalb des nächsten Ortes. Wir wollen die Räder – abgesperrt – vor dem Haus stehen lassen, doch die Wirtin rät uns, sie in den Hof zu stellen, dessen Tor sie für uns aufschließt. Das Menü kostet 12 Euro und man kann bei der Vorspeise und dem Hauptgericht aus jeweils vier, beim Nachtisch aus drei Gerichten auswählen. Ich wähle eine schmackhafte Linsensuppe und ein (trockenes) Hühnerschnitzel.
Kurz nachdem wir eingekehrt sind, beginnt es zu regnen und wir bleiben im Restaurant sitzen, bis sie um 16 Uhr zusperren. Davor holen sie die Münzen aus den Spielautomaten und lassen sie offen, wohl um deutlich zu machen, dass da nichts zu holen ist. Das sieht nach schlechter Erfahrung aus. Unter dem Vordach eines nahegelegenen Geschäftes adjustieren wir uns der Witterung entsprechend, nach einigen Kilometern hört es aber auf zu regnen.
Da es auch in den vergangenen Wochen viel geregnet hat, sind einige Wege, die wir geroutet haben, nicht fahrbar und wir müssen auf größere Straßen ausweichen. Dabei geraten wir durch eine Unachtsamkeit auf die Autobahn. Zum Glück gibt es nach ein paar Kilometern eine Ausfahrt zu unserem Etappenziel Toledo. Obwohl reger Verkehr herrscht, hupt nur ein einziger Autofahrer, aber wir fahren schließlich auch brav auf dem Pannenstreifen.
Unser Quartier liegt im Zentrum, mitten in der Altstadt. Das bedeutet noch einen letzten Anstieg, da Toledo auf einem Felsen erbaut wurde, der von drei Seiten vom Fluss Tajo umgeben ist. Das Hotel „Santa Isabel” ist ein einfaches 2-Sterne-Haus, verfügt aber über eine Dachterrasse mit tollem Blick über die Stadt. Leider ist es wegen unserer unfreiwilligen Regenpause schon recht spät und dämmrig und auch zu kalt, um die Aussicht lange zu genießen.
Nach einem Spaziergang durch die von Touristen belebte abendliche Altstadt suchen wir das vom Rezeptionisten empfohlene Restaurant „Ludeña”, in dem es angeblich das beste „Carcamusas” gibt – ein regionaltypisches Eintopfgericht aus Schweinefleisch, Tomaten und Erbsen. Im vorderen Teil des Lokals befindet sich die Bar, in der sich die zahlreichen Gäste – man hört hier tatsächlich nur Spanisch – mit Tapas verköstigen, darunter häufig auch Carcamusas. Wir müssen länger als angekündigt auf einen Platz im Restaurant warten, sodass wir uns die Wartezeit mit einer „Cervecita” vertreiben und erst um 22:30 Uhr unseren Hunger mit Jamón und Carcamusas stillen können.