Gleich nach Toledo erwartet uns ein ausgedehnter Anstieg. Es gibt aber so gut wie keinen Verkehr und es ist landschaftlich sehr schön. Dazu bieten sich noch ein paar schöne Blicke auf Toledo.

Wir sind auf der „Ruta de Don Quijote” unterwegs, zwischen Huertos (Obst- und Gemüsegärten), Olivenhainen und „Cigarrales”, (ehemaligen) Sommerresidenzen wohlhabender Toledaner. Zu sehen ist von letzteren meist nur ein Schild auf einem Tor, der Rest bleibt hinter Mauern verborgen.

Nach etwa einer Stunde führt unsere Route auf einen Feldweg, der aber vom Regen so aufgeweicht und von Lachen übersät ist, dass wir einen Weg zu einer asphaltierten Straße suchen, die wir bei Burguillos de Toledo finden, wo wir auch gleich eine kleine Pause bei einer Bar machen. Sie ist von einer jungen Familie und deren Freunden oder Verwandten besucht, bei denen uns vor allem die durchwegs schlechten Zähne auffallen.

Weiter geht es auf der N401 bzw. N401a zwischen Olivenhainen, leuchtend grünen Getreidefeldern und Weinstöcken, die wegen der zahlreichen Niederschläge teilweise im Wasser stehen.

Mittagsrast machen wir in Orgaz, welches mir dem Namen nach durch ein bekanntes Gemälde von El Greco – Die Beerdigung des Grafen von Orgaz – ein Begriff ist. Es gibt einen netten historischen Ortskern, in der Bar gegenüber der Kirche gibt es auch etwas zu essen.

Nach Orgaz müssen wir unsere Route adaptieren, da die geplante Strecke durch einen Tunnel führt, in dem Radfahrer nicht erlaubt sind. Wir müssen also über den Hügel. Belohnt werden wir dafür durch den Blick auf einige historische Windmühlen, die am Hügelkamm thronen, sowie eine schöne Abfahrt nach Los Yérbenes. Kurz nach Los Yérbenes beschließen wir, nicht dem eigentlich gerouteten „Camino” zu folgen, da er auch recht weich erscheint, sondern lieber einige Kilometer mehr auf der asphaltierten N401 zu akzeptieren. Es stellt sich als gute Entscheidung heraus, denn dort, wo dieser Weg wieder in die N401 mündet, ist er durch ein großes Gittertor abgesperrt.

Urda, unser heutiges Tagesziel, ist ein Dorf mit etwa 2.500 Einwohnern. Unsere Pension nennt sich „Casa del Médico”, da es, so erzählt uns Jesús, der aktuelle Besitzer, das Wohnhaus des ortsansässigen Arztes war und auch die Praxis beherbergte. Er selbst sei als Kind noch in dieses Haus zum Arzt gegangen. Jesús hat das Haus, das von 1904 stammt, vor einigen Jahren gekauft und während der Coronazeit weitgehend mit seinen eigenen Händen unter Rücksichtnahme auf das Vorhandene renoviert und vorsichtig modernisiert. Den Patio hat er mit Glas überdacht, aber die Holz- und Fliesenböden sind noch original. Er ist auch sichtlich stolz auf sein Werk und freut sich über unser Interesse.

Am Weg zum Abendessen begegnen wir einer ersten „Semana Santa”-Prozession, bei der die Statue der „Virgen” zur Kirche getragen wird. Es sind inklusive aller Träger und der jugendlichen Musiker höchstens 50 Personen dabei – wirklich wenige im Vergleich zu dem, was wir in Andalusien noch sehen werden. Und der Bursche mit der großen Trommel muss sich von einem älteren Herrn noch einen Rüffel gefallen lassen, da er sie zu laut geschlagen habe.

Zu Abend essen wir im „Lenin”, einer Empfehlung unseres Gastgebers. Wir setzen uns an die Theke, da alle Tische besetzt oder reserviert sind. Nach einem Weilchen bemerkt uns ein junger Mann hinter dem Tresen, der eigentlich nicht für uns zuständig ist. Es stellt sich heraus, dass er für uns einen Tisch reserviert hat, da unser Pensionswirt, der zufällig sein Onkel ist, ihn informiert hat, dass möglicherweise zwei Gäste von ihm vorbeikommen würden.