Asphalt, viel Verkehr, weite Hügel, schöne, minimalistisch-klare Landschaftsbilder in grünen, braunen und beigen Tönen, dazu Farbtupfer durch die Blumen am Wegrand.
Kurz vor Sanlúcar de Barrameda hat Alois wieder einen Patschen am Hinterrad, den wir diesmal flicken müssen, da unsere beiden Ersatzschläuche schon aufgebraucht sind. Ein kleiner Stein steckt in einem Loch des Mantels, der abgefahren und in wirklich schlechtem Zustand ist.
In Sanlúcar kommen wir zuerst durch ein recht uriges Viertel, bevor wir an der Strandpromenade landen. Eigentlich wollen wir hier Mittagspause machen, aber wir finden am Weg kein offenes Lokal. Da wir in Rota die Fähre am Nachmittag nach Cádiz erreichen wollen, möchten wir keine Zeit mit Suchen vergeuden. Schade – ich hatte mich schon auf ein paar „Gambas” (Garnelen) und dazu ein Gläschen „Manzanilla”, die örtliche Variante des „Fino”, also eines trockenen Sherrys, gefreut – für beides ist Sanlúcar bekannt.
Wir fahren also auf einer nicht besonders attraktiven Strecke in Strandnähe, die als „Via Verde” ausgezeichnet ist, weiter zum nächsten Ort an der Küste, nach Chipiona. Dort ist in der zentralen Fußgänger- und Geschäftsstraße viel Betrieb und wir finden auch gleich einen Platz zum Mittagessen. Wir halten uns nicht allzu lange auf und treten, bei ständigem leichtem Gegenwind, kräftig in die Pedale, da wir die Fähre keinesfalls verpassen wollen.
Zum Glück haben wir dadurch einen kleinen Zeitpolster aufgebaut, da Alois etwa 10 km vor Rota den vierten Platten hat. Genau an der Stelle, wo wir am Vormittag geflickt haben, hat sich durch das gleiche Loch im Reifen wieder ein spitzer Stein gebohrt und auch den Flicken durchstochen. Seit Jahren führe ich ein Stück eines Fahrradmantels in der Werkzeugtasche mit – endlich kommt er zum Einsatz: wir unterlegen damit das Loch im Reifen. 15 Minuten vor Abfahrt sind wir im Hafen von Rota, die Überfahrt nach Cádiz genießen wir am windigen Oberdeck.
Unser „Hotel Francia y París” ist schön und liegt sehr zentral an der Plaza San Francisco, direkt angrenzend an die gleichnamige Kirche. Es sind sehr viele Menschen auf der Straße, da ab 17:15 Uhr zwei Pasos aus dieser Kirche aufbrechen: eine Christusfigur, begleitet von Nazarenos ganz in Schwarz, und die Jungfrau Maria mit ganz weißen Nazarenos im Gefolge.
Als wir nach einem deftigen Abendessen – Pulpo a la Gallega und Grillplatte – wieder im Hotel sind, biegt der letzte Paso in die Plaza San Francisco ein, um pünktlich um 23:45 Uhr, wie im Programmheft angeführt, wieder in der Kirche zurück zu sein.