Das feine Frühstück ist mit zahlreichen von der Hausherrin selbstgemachten Mehlspeisen bestückt. Vor der Abfahrt gibt es eine herzliche Verabschiedung von Jesús und seiner Frau.
Zuerst erwarten uns ein paar Kilometer schlechter Asphalt, dann ein Schotterweg, der in rote Erde übergeht und hinauf auf einen kleinen Hügel führt. Es ist eine sehr schöne Fahrt zwischen Feldern, Weiden und Olivenhainen. Bei schönem Wetter leuchten Mohn und andere Frühlingsblumen, während große Wasserlachen beim Durchqueren für ein wenig Spannung sorgen. Alois, der vorausfährt, unterschätzt einmal tatsächlich die Tiefe und taucht seine Radschuhe, die daraufhin natürlich völlig durchnässt sind. Ich bin gewarnt, ziehe sie aus und schiebe das Rad durch das Wasser. Wir kommen aber bald wieder auf die N401, auf der es flott dahingeht. Nach der Erfahrung mit den großen Wasserlachen verzichten wir auf ein weiteres Stück „Camino” entlang der Bahnlinie und bleiben stattdessen auf dem asphaltierten Weg.
Am Ortsrand von Malargón weidet eine Herde Schafe und Ziegen. Der Schäfer sitzt im Schatten einer Mauer und ich glaube zuerst, dass er schläft, da er überhaupt nicht reagiert, als ich stehenbleibe. Dann bemerke ich, dass er offenbar mit dem Handy beschäftigt ist.
Im nächsten Ort, Fernán Caballero, in dem wir für eine Mittagspause halten, steht gegenüber der Bar ein Orangenbaum voll mit Früchten – der erste von vielen, die wir auf dieser Reise noch sehen werden.
Der erste Eindruck von Ciudad Real ist unspektakulär und ruhig, es ist schließlich Sonntagnachmittag. Wir sind auch ungewohnt früh am Tagesziel, da die Etappe nicht besonders lang und auch von den Höhenmetern her nicht fordernd war. Unser Hotel Santa Cecilia liegt zentral und ist ziemlich groß, aber schon etwas abgewohnt.
An der Rezeption erfahren wir, dass es ab 17 Uhr einen „Semana Santa”-Umzug geben wird. Dabei werden üblicherweise zwei große, schwere Figurengruppen – Christus als Gekreuzigter und die Jungfrau Maria – in stundenlanger Prozession durch die Stadt getragen. Dazu Fahnenträger, Kerzenträger, Kinder und Erwachsene als „Nazarenos” in weiß-violetten Kutten, hunderte Musiker (in einem Karren werden Ersatztrommeln mitgeführt), Menschen, die der Prozession folgen, tausende Zuseher entlang der Strecke. Ein echtes Volksfest, stundenlang. Als wir nach dem Abendessen um etwa 23 Uhr zum Hotel gehen, ist die Prozession noch unterwegs, zurück zur Kirche, von der sie gestartet war.