Nach dem ersten langen Tag auf der Parenzana, nach 95 Kilometern und mehr als tausend Höhenmetern, standen diese zwei Gläser auf dem Tisch. Motovun, einer der schönsten Orte Istriens, lag hinter uns – und vor uns die Nacht.
Irgendwo zwischen Žminj und Vodnjan, auf einem Weg, den die Karte als Straße verzeichnete, öffnete sich dieses Feld. Kein Auto, kein Mensch – nur diese Farbe. Ein Moment, den man nicht plant.
Man fährt auf einer normalen Straße durch istrisches Hügelland, biegt um eine Kurve – und plötzlich öffnet sich dieser Kanal. Türkis, schmal, von steilen bewaldeten Hängen eingefasst. Viele sehen ihn von unten, per Ausflugsboot. Wir haben ihn von oben erwischt.
Palmsonntag, 17 Uhr. Der Paso drängt sich durch eine Gasse, die dafür eigentlich zu schmal ist. Die Träger darunter sind unsichtbar, nur die Füße schimmern unter dem Tuch. In Lebrija gehört das zum Alltag – uns hat es den Atem verschlagen.
Vier Reifenpannen, hundert Windkilometer und eine Fähre später: Cádiz. Die Stadt, die auf einem schmalen Zipfel ins Meer hinausragt, schiebt sich langsam ins Bild. Ende einer langen Reise, Anfang von etwas anderem.
2019 · Via Claudia Augusta · Etappe 2 · Nauders – Meran
Der versunkene Kirchturm
Der Reschensee wurde in den Vierzigern aufgestaut. 677 Hektar Land geflutet, 150 Familien vertrieben. Der romanische Kirchturm von Graun aus dem 14. Jahrhundert ragt noch aus dem Wasser – ein Denkmal, das niemand geplant hat.
2020 · Iron Curtain · Etappe 3 · Nová Bystřice – Drosendorf
Terrasse über dem Thayatal
Drosendorf ist die einzige Stadt Österreichs, die komplett von einer mittelalterlichen Stadtmauer umgeben ist. Das Gasthaus Failler liegt direkt am Hauptplatz, die Terrasse hängt über dem Thayatal. Abendessen mit Aussicht, 45 Euro Halbpension.
2023 · Prag – Berlin · Etappe 2 · Litoměřice – Bad Schandau
Gepflegte Gräber, vergessene Gräber
In Proboštov: ein Friedhof, halb gepflegt, halb verlassen. Die Grabsteine der deutschen Seite tragen Todesdaten aus den 1920ern – seit der Vertreibung nach dem Krieg kommt niemand mehr. Die tschechischen Gräber daneben blühen. Ein stiller, nachdenklich stimmender Anblick.
Ferrara ist die Radfahrerstadt Italiens. Gezählt, an der Piazza Catedrale: 70 Radfahrer in drei Minuten. Schwarze Rahmen, Ledersättel, hohe Lenker – Eleganz statt Sport. Kein einziges Licht am Rad.
Keine Serpentinen – die Straße zum Col de l'Épine geht einfach gerade nach oben. Die Sonne brennt gnadenlos. Irgendwann findet man einen ersten Schatten, isst einen Riegel, trinkt, und fährt weiter.
Nach 1.177 Höhenmetern auf dem Grenzkamm zwischen Slowenien und Italien die lange Abfahrt ins Tal. Und dann: dieses Wasser. Türkis wie kein anderes Türkis, klar bis auf den Grund. Die Soča.
Vier Tage durch Slowenien, über Pässe, durch den Karst. Und dann, irgendwo auf der Abfahrt nach Triest, biegt die Straße um eine Kurve – und dort liegt das Meer. Der erste Blick, nach dem man den ganzen Weg gefahren ist.