In Saint-Jean-de-Maurienne ist alles auf Radfahrer ausgerichtet. In unserem Hotel ist ein internationales Team von Trek untergebracht.
Auch an diesem Tag stehen laut geroutetem Tourplan 112 Km und fast 1.800 Hm auf dem Programm. Nach dem Frühstück geht es auf verkehrsarmen Nebenstraßen landschaftlich schön dahin: zwischen Felswänden, die immer wieder von Burgruinen oder Wehrtürmen gekrönt sind.
Wir spüren noch die Strapazen des Vortages in den Beinen und es geht recht zäh voran. Auch der Gegenwind weht uns frisch und froh entgegen. So beschließen wir bald, ein Stück mit dem Zug zu fahren. In St. Avre fahren wir zum Bahnhof und tatsächlich müssen wir kaum länger als 15 Minuten warten, bis uns ein Regionalzug, der sogar für die Fahrradmitnahme ausgerüstet ist, nach Chambéry bringt.
Als wir in Chambéry ankommen ist es Mittag. Aber es passt nicht: Entweder ist es zu laut wegen einer Baustelle oder es gibt nichts Passendes. Und ehe wir uns versehen, sind wir aus der Stadt draußen.
Dort geht es gleich richtig zur Sache, denn für die gut 700 Hm von der Stadt auf den Pass stehen nur 12 Km zur Verfügung! Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Nicht in Serpentinen, sondern eine gerade steile Straße bergan. Ich denke mehrmals daran abzusteigen und zu schieben, warte aber doch damit, bis ich nach etwa 250 Hm den ersten Schatten finde und dort eine Pause machen und mich mit einem Riegel stärken kann.
Nach dieser Rast geht es verhältnismäßig angenehm weiter, in Serpentinen, die sich den Berghang entlang nach oben winden. Kurz vor der Passhöhe gibt es einen Aussichtspunkt mit schönem Blick auf Chambéry und das Ende des Lac du Bourget.
Die Passhöhe auf knapp 1.000 Metern ist unspektakulär. Von dort geht es in einer Abfahrt durch schöne ländliche Gegend, hügelig weiter, immer zwischen etwa 600 und 450 Hm schwankend. Wald auf felsigem Untergrund, Birken, Nussbäume, Viehweiden und Wiesen wechseln sich ab.
Schon knapp nach 16 Uhr kommen wir im Hotel Bergeronnettes in Champagneux, schön über dem Rhônetal gelegen, an. Zum Abendessen bleibt man natürlich im Hotel – weit und breit gibt es ohnehin nichts. Die Spezialität des Hauses: Cuisses de Grenouilles, Froschschenkel, in reichlich Butter und Knoblauch gebraten, in großen Platten aufgetragen. Helles Fleisch, das an Hendl erinnert. Einen Haxen abgenagt und von der To-do-Liste abgehakt, mein Lieblingsgericht wird es nicht werden.