Wir beschließen, nicht den Radweg am Fluss zu nehmen, sondern die Direttissima Richtung Norden über die Hügel. Das verspricht eine direktere Linie, interessantere Landschaft – und natürlich mehr Höhenmeter.

Der Aufstieg aus dem Elbtal ist steil, aber sobald man oben ist, öffnet sich die Landschaft zu einer Hochebene mit Wiesen, Feldern und wilden Rosen. Ein angenehmes Fahren auf ruhigen Straßen.

In Proboštov kommen wir an einem Friedhof vorbei. Was auffällt: Große Bereiche mit verlassenen und verfallenen Gräbern. Die Namen der Verstorbenen auf den Grabsteinen sind deutsch, die Todesdaten liegen zwischen 1920 und 1930. Das sind die Gräber der ehemals deutschen Bevölkerung dieser Gegend – niemand kümmert sich mehr um sie, seit die Vertreibung nach dem Krieg dieser Gemeinschaft ein Ende gesetzt hat. Nur die jüngeren tschechischen Gräber sind gepflegt. Es ist ein stiller, nachdenklich stimmender Anblick.

Mittagspause machen wir in Velké Březno. Da wir kein Tschechisch können, bestellen wir per Fingerzeig auf den Teller eines anderen Gastes – und bekommen doch etwas anderes. Macht nichts, es schmeckt.

Danach zieht der Regen auf, und wir versuchen, ihm davon zu fahren. Es gelingt weitgehend. Am Elbe-Radweg angekommen, wechseln wir bei Děčín auf das linke Ufer, und wo wir die Grenze nach Deutschland genau passieren, bemerken wir gar nicht. Erst die ersten Sandsteinformationen der Sächsischen Schweiz machen klar, dass wir in einem anderen Land sind.

Das Hotel Erbgut in Krippen, direkt gegenüber von Bad Schandau, liegt schön am Fluss. Weniger schön: Das Personal besteht darauf, dass wir je drei Euro Kurtaxe bezahlen müssen – obwohl die zweite Übernachtung, die wir spontan storniert haben, anstandslos waiviert wurde. Wir beschließen beim Abendessen, den ursprünglichen Plan zu ändern und morgen nicht in der Sächsischen Schweiz zu verweilen, sondern gleich weiterzufahren.