Nach einem bescheidenen italienischen Frühstück und ein wenig Zeit am nun nicht von Fischern und Kindern bevölkerten See geht es bergab. Eigentlich hatten wir vorgehabt, eine Route durch den Nationalpark zu wählen, aber nachdem wir die steilen Wege, übersät mit faustgroßen Steinen, gesehen haben, davon wieder Abstand genommen, mit all unserem Gepäck und der Anstrengung des Vortages.

So rollten wir den Aufstieg von gestern hinunter und noch etwas weiter bis Rezzoáglio, das auf etwa 700 m liegt. Dort stoßen wir auf das Aveto-Tal, welches wir aufwärts fahren, stetig steigend den Fluss entlang, der zuerst in enger Schlucht über große Felsbrocken rauscht und schäumt, weiter flussaufwärts aber zu einem ruhig dahinplätschernden, klaren Gewässer wird. So geht es gemächlich hinauf bis zum Passo di Scolina (920 m), anschließend rasant auf 6,5 Km wieder 600 Hm hinunter nach Farvole di Marvalo und weiter hinunter bis Monleone, wo wir Richtung NW in das Lavagnatal einbiegen. Zum Teil versuchen wir einen ausgeschilderten „Ciclopedonale”, der auf einer Wegführung aus der Römerzeit basiert. Mit dem beladenen Trekkingbike ist das aber stellenweise grenzwertig und wir müssen ein paar Mal absteigen, bald ist er wegen ausgeschwemmter Stellen ohnehin gesperrt.

Bei Ferviere halten wir uns nach Westen. In einer gleichmäßigen Steigung zieht sich eine vierspurig ausgebaute Straße den Hügel hoch, zeitweise von einer hohen Stützmauer aus Beton begrenzt. Uns wird nicht kalt, ganz im Gegenteil….

Die Einfahrt in den 2 Km langen Tunnel ist zwar eigentlich für Fahrräder verboten, aber nachdem uns das Reisebüro bis zum Loch gebracht hat, montieren wir die Lichter und fahren durch. Die Alternative wäre ein ziemlicher Umweg mit zusätzlichen Höhenmetern. Zum Glück ist nicht allzu viel Verkehr, aber besonders angenehm ist es trotzdem nicht, vor allem das Dröhnen der Motoren, bei dem man oft nicht orten kann, ob es von vorne oder hinten kommt. So treten wir tüchtig in die Pedale, um die Röhre möglichst rasch hinter uns zu bringen.

Auf der anderen Seite wartet eine schöne Abfahrt durch das Bisagne-Tal nach Genua, wobei sich die Wohnblocks schon kilometerweit vor der eigentlichen Stadt in das Tal hineingefressen haben. Um 16:30 Uhr und 20 Km nach der Tunnelausfahrt sind wir am Ziel, d.h. beim rituellen Ankommensbier.

Hotel „Bristol”, Via XX Settembre: In einem Gebäude aus dem 19. Jhd., optimal gelegen, sehr schön, sehr freundlicher Empfang, die Räder dürfen wir hinter der Rezeption abstellen bzw. aufhängen.

Wir fragen den Portier nach Tipps für Trattorie. Er empfiehlt „Da Maria” oder als Alternative „Osteria Cavour 21” an der Piazza Cavour. Da es ausgebucht ist und wir erst ab 22 Uhr einen Tisch bekämen, werden wir von der Besitzerin zu einem anderen Lokal weitervermittelt – und von einer jungen Frau persönlich abgeholt, da es schwer zu finden sei. Das Lokal ist nett, das Essen ausgezeichnet: gute Muscheln, Octopussalat, „Stockafissa alla Genovese” und „Frittura di gamberi e calamari”. Als er die Rechnung bringt, merkt der Wirt an, dass er einen Spezialpreis gemacht habe: Wir zahlen zusammen für alles nur 50 Euro! So nett können Menschen sein!

Auf dem Heimweg machen wir noch die Erfahrung, wie sie in einem Reiseführer formuliert ist: Es ist unwahrscheinlich, sich in den Gassen der Altstadt nicht zu verlaufen.