Ich habe den Wecker etwas früher gestellt und vor dem Frühstück noch eine kleine Runde in der Stadt gedreht, am Vortag war es schon recht düster zum Fotografieren. Um 07:00 Uhr ist man gerade dabei, die Stände für den Wochenmarkt aufzubauen.
Nach Parma geht es gefühlt eben, aber tatsächlich mit einer beständigen minimalen Steigung Richtung SW. Große Felder, u.a. Tomaten; einige Male sehen wir Wegweiser zu Käsereien (Parmigiano). Bei Collecchio queren wir den Taro und folgen ihm Richtung Süden.
Da der Versuch, die Schaltung von Alois’ Rad vor der Abfahrt vom Hotel zu reparieren (der 1. Gang funktioniert nicht und wir kommen heute in die Hügel) mäßig erfolgreich war, fragen wir unterwegs nach einer Radwerkstätte. Man weist uns nach Fornovo di Taro, wo wir nach einigem Fragen zuerst bei einer Werkstätte landen, vor der zwar auch einige ältere Räder stehen, v.a. aber Rasenmäher und ein paar Mopeds. Der Herr der Werkstätte ist von unserer modernen Schaltung überfordert und nennt uns „Cicli Rubin”. Wir fahren in die angegebene Richtung, sind uns aber unsicher. An der Einmündung einer Straße frage ich einen Autofahrer. Er weiß es auch nicht, das aber mit vielen Worten. Schließlich fahren wir in die vermutete Richtung weiter. Auf halber Strecke kommt uns der Autofahrer, den ich gefragt hatte, entgegen – er ist tatsächlich extra gefahren, um für uns die Werkstätte zu suchen!
Im Radgeschäft kommt ein Mann aus der Werkstätte. „Puuh, adesso non ho tempo” ist seine erste Reaktion. Während ich ihm noch versichere, dass es sich sicher nur um ein kleines Problem handelt, ist er schon auf dem Weg nach draußen. Er wirft einen Blick darauf, holt den passenden Schraubenzieher, macht damit an der richtigen Schraube eine kleine Drehung und es haut wieder hin. Er hat nicht einmal ein Trinkgeld für einen Caffé genommen. Andererseits: Wie viele schöne Erlebnisse und Begegnungen würden wir versäumen!
Nach einer Pause in Fornovo geht es zurück über das breite, schottrige Flussbett und hinein in das Tal des Torrente Ceno. Jetzt ist es schon etwas hügeliger, es geht dahin und bergan in Wellen. Auch die Vegetation ändert sich, die Felder werden weniger, Wald und Wiesen mehr. Zahlreiche Nussbäume stehen entlang der Straße. Als die Burg von Bardi zum ersten Mal sichtbar wird, können wir uns nicht vorstellen, dass der Ort tatsächlich auf über 600 m Seehöhe liegen soll. Aber er tut es (625 m) und wir machen die letzten 200 Hm auf den letzten paar Kilometern hauptsächlich im ersten Gang – der Werkstattbesuch soll ja nicht umsonst gewesen sein! ;-)
Das Albergo/Ristorante „Bue Rosso” hat den Charme der 60-er und 70-er Jahre, auch jener der Betreiberinnen ist gewöhnungsbedürftig. Auf mein Mail mit der Reservierung wurde schon nicht geantwortet, bei meinem Anruf sagte man mir, dass selbstverständlich reserviert sei, aber man keine Zeit habe, jedem zu antworten… Wir haben schließlich „auswärts” im Restaurant „Due Spade” zu Abend gegessen: gutes Essen und nette Bedienung.
Bardi selbst ist ein netter Ort mit einer überdimensional großen Burg, einigen Kirchen und Plätzen und einer Kolonie von Engländern.