Als erstes bringen wir die Schirme zurück, die uns der Wirt am Vorabend geborgt hatte. Danach geht es hinauf nach Böckstein zur Verladestelle für die Passage durch die Tauernschleuse. Es warten dort etwa 50 Radfahrer; mit unseren klassischen Rädern ohne E-Motor gehören wir zu einer Minderheit von höchstens 20 Prozent.

Von Mallnitz, der Ausstiegsstelle auf der anderen Seite des Tunnels, gibt es eine etwa 7 km lange, zügige Abfahrt nach Obervellach und von dort weiter durch das Mölltal. Wir versuchen ein halbwegs gleichmäßiges Tempo, ohne viele Pausen, zu fahren. Uns fällt auf, dass viele E-Bike-Fahrer häufiger Pausen machen, dazwischen aber schneller unterwegs sind und uns auf steilen Passagen wieder überholen. Außerdem haben die meisten, mit denen wir reden, Spittal als Etappenziel.

Bei Möllbrücke, wo die Möll in die Drau mündet, wechseln wir vom Radweg R9 auf den R9A, der wenig befahren ist. Vielleicht, weil er etwas weiter von der Drau entfernt ist und etwas mehr Steigungen aufweist. Dafür kommt man durch Orte wie Pusarnitz, einem verschlafenen Bauerndorf mit einigen verlassenen, verwunschenen Gebäuden und Ecken – und mittendrin ultra-hässlichen, „modernen” Häusern.

Die Drau führt viel Wasser, stellenweise ist der Radweg entlang des Flusses gesperrt. Mittagsrast machen wir in Spittal. Das Wetter hält sich an die Prognose: pünktlich um 15 Uhr beginnt es zu tröpfeln. Etwa 5 km vor Villach nieselt es so stark, dass wir den Regenschutz überziehen.

Das Hotel Garni in Warmbad Villach ist schön, der Empfang freundlich und das Zielerreichungs-Bier nach 90 km wohlverdient. Das Abendessen gibt es nach einem Spaziergang im „Steirerhof”, einem Wirtshaus, das trotz des Namens Kärntner Küche und offenes Villacher Hausbier anbietet.