Nach einem lauschigen Frühstück am Gang vor unseren Zimmern – der Pensionswirt aus Ruhland hat wieder an alles gedacht – fahren wir etwas früher los als gewöhnlich. Durch die nachträgliche Umplanung ist diese Etappe etwas länger als die vorangegangenen und wir haben am Vorabend beschlossen, dass wir sie nicht per Zug verkürzen wollen.

Es geht recht lange mehr oder minder parallel zur A13, drei Mal queren wir sie an diesem Tag. Traditionelle Häuser aus Klinker wechseln sich ab mit üppig dekorierten, genauer gesagt: kitschig geschmückten Häusern, aber auch mit sehr einfachen. Von dem was wir sehen können wir nachvollziehen, dass das Leben für viele Menschen hier nicht einfach sein dürfte.

Wir fahren viele Kilometer durch Kiefernwälder, die teilweise gepflegt wirken, in zahlreichen liegt aber viel Totholz herum. Dazwischen gibt es Wiesen und Felder, immer wieder von Mohn und Kornblumen geschmückt.

Um uns Getränke kaufen zu können, müssen wir einen Abstecher nach Calau machen – in den Dörfern am Land gibt es keine Geschäfte. Mittagspause machen wir in Lübbenau im Spreewald. Während wir auf unsere Nudeln warten, kommt auch ein Mann mit einem E-Bike mit Anhänger an und setzt sich an einen Nebentisch. Als wir am Gehen sind, bestellt er sein zweites Menü: Bier und Korn.

Die Gegend hier ist von vielen Gewässern geprägt, Flüssen und Kanälen, an denen wir entlangfahren und die auch für Bootsausflüge genutzt werden. Es geht gut vorwärts, viel auf Radwegen und Nebenstraßen, auch Schotterwege sind dabei. Wiesen, Felder, auf und ab, aber keine nennenswerten Steigungen bis zu unserem Etappenziel, dem Hotel Seeschlösschen in Groß Köris.

Die Villa Kutzner – das heutige Seeschlösschen – war von 1953 bis zur Wende das Gästehaus der DDR-Grenztruppen. Hier trafen sich Offiziere zu Beratungen und es wurden ausländische Delegationen empfangen. Diese Vergangenheit ist heute noch spürbar: einerseits in der handwerklich soliden Ausführung des Zubaus zur Villa, abgesehen von geschmacklichen Extravaganzen wie dem Wandgemälde mit Hirsch; andererseits an den Schildern, die man auf der Anlage vorfindet – da gibt es keine Bitten, sondern nur Verbote. Das Essen im Restaurant ist aber schmackhaft und das Bier ist gut.