Die Anreise nach Prag ist unkompliziert. Ab Wiener Neustadt ist der Zug gut gefüllt, ab Wien sehr voll. Im Abteil teile ich mir den Platz mit einer japanischen Familie: Eltern, zwei Töchter und der Mann der jüngeren. Sie fahren zur Hochzeitsfeier der Tochter nach Prag. Die Braut ist Violinistin, und Prag habe, speziell unter Streichern, einen guten Ruf. Die Reisezeit verkürzen sie, indem sie aus mitgeführtem Origami-Papier Ninja-Sterne, Kreisel und Kraniche falten – und mir am Ende der Fahrt ein Exemplar davon schenken.
In Prag angekommen, lasse ich das Gepäck im Hotel und mache einen Stadtspaziergang zur Moldau. Am Abend kommt mein Freund Alois aus Linz an. Wir besuchen ein rustikales tschechisches Gasthaus und gehen anschließend in die Jazzrepublic zum Bier, wo das Publikum zu gefühlt 95 Prozent aus Ausländern besteht.
Am nächsten Morgen brechen wir auf. Die Strecke führt durch die Innenstadt, über den Wenzelsplatz, durch die Altstadt und schließlich über die Moldau. Am Stadtrand wird es ruhiger, die ersten Kilometer auf tschechischen Nebenstraßen sind angenehm – die Straßen sind immer wieder von Mohn oder Kornblumen gesäumt, die Landschaft öffnet sich.
Bei Podhoří setzen wir mit einer Fähre über den Fluss. Es ist ein kurzes Stück, aber eines dieser kleinen Abenteuer, die eine Tour lebendig machen. Danach folgen wir weitgehend der Elbe nordwärts, auf Radwegen und ruhigen Straßen.
Litoměřice empfängt uns mit großen Kopfsteinpflastersteinen und einem imposanten Hauptplatz, umgeben von schönen, renovierten Häusern und Palästen in unterschiedlichen Stilen. Eine eindrucksvolle Stadt. Die vielgelobte böhmische Küche ist es freilich nicht – das müssen wir nach zwei Tagen Tschechien nüchtern festhalten.